Übersicht
1. Zwangsexmatrikulationen
An der Uni Köln wurden im Zuge der endgültigen Umstellung auf Master- und
Bachelorstudiengänge 32 Langzeitstudenten zwangsexmatrikuliert.
2. Studienplatzvergabe (…) teilweise verfassungswidrig
„… aus den vorgenannten Umständen folgt nicht nur die objektive (teilweise)
Verfassungswidrigkeit des derzeitigen Auswahlsystems…“
3. Rekrutierung auf der mittleren Qualifikationsebene
Das Verhältnis beruflicher Qualifikationen zu Bachelorstudiengängen
4. Werbung an Hochschulen
Der Aldi-Hörsaal findet Nachahmer/innen…
5. „Deutschlandstipendium“ – mehr Schein als Sein
Stipendien statt BAföG. Werbung statt Stipendien.
6. Datenreport 2011 – Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland
7. Flickenteppich Bildungsföderalismus
Kein Bundesland welches nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte…
8. Verbraucher/innenkompetenz von Kindern und Jugendlichen
Die Kinder von heute sind die Studierenden von morgen…
9. 1. Oktober 2011: Die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte beginnt
Zu Risiken und Nebenwirkungen…
10. Juristisches
11. Termine
1. Zwangsexmatrikulationen
Die „Kölner Universität (hat) 32 Studierende exmatrikuliert. Der Grund: Sie sind zu langsam. Die Hochschulen wollen die alten Studiengänge, die mit Magister und Diplom enden, allmählich auslaufen lassen, deshalb haben sie den Studierenden Fristen gesetzt:
Bis dann und dann müsst Ihr Zwischenprüfungen, Scheine etc vorgelegt haben, sonst könnt Ihr nicht mehr weiterzustudieren.“
Auch an anderen Hochschulen laufen „Alt-Studiengänge“ aus. Ob nun auch andernorts mit bildungsfeindlichen Entscheidungen a la Köln zu rechnen ist?
Hierzu folgende Unterlagen:
Interview des Deutschlandfunks mit Patrick Schnepper, Studierendenvertreter und Koordinator der Landes-ASten-Konferenz in Nordrhein-Westfalen.
Dokument: „zwangsexe-3-dlf.pdf“
Interview mit Rechtsanwalt Dr. Christian Birnbaum. Herr Birnbaum berät und vertritt von Zwangsexmatrikulationen betroffene Studierende vor Gericht.
Dokument: „zwangsex.pdf“
Und was die CDU/CSU-Bundestagsfraktion von Zwangsexmatrikulationen hält. Hierzu ein offener Brief von Erik Marquardt, Vorstand des fzs, an Albert Rupprecht, bildungs- politischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.
Dokument: „zwangsexe-2.pdf“
2. Studienplatzvergabe (…) teilweise verfassungswidrig
„Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat die Stiftung für Hochschulzulassung (früher ZVS) im Wege der einstweiligen Anordnung verpflichtet, vier Studienbewerber aus Remagen,
Hannover, Lübeck und Berlin vorläufig zum Studium der Tier- bzw. Humanmedizin
zuzulassen. Alle Antragsteller hatten zum Wintersemester 2011/12 keinen Studienplatz
bekommen, obwohl sie bereits seit sechs Jahren auf eine Zulassung warten. Die 6. Kammer
des Verwaltungsgerichts sah nun vor dem Hintergrund entsprechender Entscheidungen des
Bundesverfassungsgerichts zum Numerus Clausus aus den siebziger Jahren die Grenze des
verfassungsrechtlich Zulässigen überschritten und sprach den Antragstellern vorläufig einen
Studienplatz (…) zu.“
Da dieses Urteil Auswirkungen über die verhandelten medizinischen Studien hinaus haben
dürfte, hier die Leitsätze des Urteils:
1. Nach der Rechtsprechung des BVerfG hat jeder hochschulreife Bewerber um
einen Studienplatz das verfassungskräftige Recht auf eine Auswahlentscheidung,
die ihm zumindest eine Chance auf Verwirklichung seines Studienwunsches
belässt.
2. Soweit diese Chance für eine wesentliche Gruppe der Bewerber (allein) durch
Einräumung einer Wartezeitquote gewährt wird, darf die für eine Zulassung zum
Studium erforderliche Wartezeit die Grenze des Zumutbaren nicht überschreiten;
diese Grenze ist zum Wintersemester 2011/2012 überschritten worden.
3. Aus den vorgenannten Umständen folgt nicht nur die objektive (teilweise)
Verfassungswidrigkeit des derzeitigen Auswahlsystems, sondern auch ein
individueller Zulassungsanspruch des Antragstellers.
4. Dieser Zulassungsanspruch kann auch im Wege des einstweiligen
Rechtsschutzes vorläufig durchgesetzt werden; das Verwerfungsmonopol des
Bundesverfassungsgerichts steht dem nicht entgegen.
Artikel zum Beschluß: „gelsenkirken-kurz.pdf“
Das vollständige Urteil: „gelsenkirchen.pdf“
3. Rekrutierung auf der mittleren Qualifikationsebene
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt. In der Studie von Ute Hippach-Schneider und Tanja Weigel (in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Philipp Gonon von der Universität Zürich) heißt es unter anderem:
Folgende Forschungsfragen wurden untersucht:
Aus welchen Bildungsbereichen rekrutieren - in ihrer Produktpalette und ihrer Größe vergleichbare - Unternehmen derselben Branche ihre Fachkräfte für vergleichbare Tätigkeiten und Funktionen in den Vergleichsländern?
Wie beurteilen die Unternehmen die Leistungsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventender beruflichen und hochschulischen Ausbildung?
Worin unterscheiden sich die Erwartungen der Unternehmen an das Kompetenzprofil und
das Kompetenzniveau von Bewerbern und Bewerberinnen mit beruflicher Qualifizierung in den Vergleichsländern?
Stehen Bachelor-Abschlüsse aus Sicht der Unternehmen in direkter Konkurrenz zu Abschlüssen beruflicher Aus- und Weiterbildungsprogramme?
Welche Gründe / Motive haben die Unternehmen hinsichtlich der Rekrutierung von Absolventinnen und Absolventen aus der Berufsbildung oder den Hochschulen?
Haben Unternehmen in jüngster Zeit ihre Rekrutierungsstrategien neu ausgerichtet und
wenn ja in welcher Weise?
Was erhöht den Anreiz für Unternehmen, Absolventinnen und Absolventen mit Berufsbildungsabschlüssen zu bevorzugen?
Zur Studie und ihren Antworten: „Abschlußbericht 1502 Hippach-Schneider.pdf“
4. Werbung an Hochschulen
Klamme Kassen oder Ausverkauf?
Waren es erst nur die Fachhochschulen Würzburg (heute: Hochschule Würzburg-Schweinfurt) und Wiesbaden (heute: Hochschule Rhein-Main), die sich von Aldi sponsoren ließen und Aldi-Hörsäle einrichteten, waren es einst nur Ausreißer, wie die Universität Mannheim die sich „einen Großteil ihrer Hörsäle finanzieren läßt“ (Spiegel vom 27.10.2006), so greift jetzt der Deutschlandfunk ein Beispiel aus Münster auf:
Deutschlandfunk vom 04.10.2011: „werbung-an-hs.pdf“
-
„Deutschlandstipendium“ – mehr Schein als Sein
„Seit dem Start des "Deutschlandstipendiums" vor einem Jahr wurde mehr Geld für Werbung, Schulungen, Internetportale und Verwaltungskosten ausgegeben als für die Unterstützung (…) Studierender.“
Dass das sogenannte „Deutschlandstipendium“ die Bildungsschere nurmehr weiter verschärft, dürfte unbestritten sein. Dass die Unterstützung Einzelner kein Ersatz sein kann für die Zurverfügungstellung eines flächendeckenden freien und durchlässigen Bildungswesens ist bekannt.
Schön passt hierzu die Mitteilung aus dem DHV-Newsletter 09/2011, die den Eindruck erwecken muß, beim sogenannten „Deutschlandstipendium“ müsse es sich um mehr hochglänzendem Schein handeln, denn als etwas erstrebenswerteres.
Zur Mitteilung des DHV unter: „dhv-2x.pdf“
6. Datenreport 2011 – Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland
Im hier anhängenden Kapitel Bildung Informationen Bildungsbeteiligung, Bildungsniveau
und Bildungsbudget. Im Einzelnen:
Allgemeinbildende und berufliche Schulen
Sozioökonomischem Status von Schülerinnen und Schülern
Betrieblicher Berufsausbildung
Hochschulen
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Studierenden, Studienanfängern und –anfängerinnen
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Hochschulabsolventinnen und Absolventen
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Personellen und finanziellen Ressourcen
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Frauen auf akademischen Karriereleitern
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Ausbildungsförderung für Studierende
-
Lebenslagem Lernen
- Dem Bildungsniveau der Bevölkerung Das Bildungsbudget fürDeutschland
Zum Bildungskapitels des Sozialberichtes uner: „Datenreport2011Kap3.pdf“
7. Flickenteppich Bildungsföderalismus
Matthias Anbuhl und Robert Habeck reflektieren in der faz vom 09ten Oktober 2011 die föderalen Bildungsstrukturen in der Bundesrepublik Deutschland.
Aus dem Inhalt:
“Es ist schon eine besondere Ironie der Geschichte, dass wir mit dem Bologna-Prozess und dem
Europäischen Qualifikationsrahmen gerade einen europäischen Bildungsraum schaffen, während
Deutschland mit der Föderalismus-Reform die Atomisierung seines Bildungssystems –
insbesondere im Schulwesen – weiter vorantreibt.“
„Die Rezepte dafür sind bekannt: Wir brauchen mehr Tageseinrichtungen für Kinder mit höher qualifiziertem Personal. Nötig sind gute, verbindliche Ganztagsschulen, an denen neben Lehrern auch Sozialarbeiter und Psychologen arbeiten. Wir müssen die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen beenden und mehr Geringqualifizierte weiterbilden. Das alles kostet Geld. Doch ausgerechnet nach der Föderalismus-Reform bleibt der potentesten Geldgeber auf seinen Mitteln sitzen – der Bund. Er darf nach dem Kooperationsverbot kein Geld mehr für Schulen geben, auch die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau läuft zum Jahr 2013 aus.“
Der vollständige Artikel unter: „faz.pdf“
8. Verbraucher/innenkompetenz von Kindern und Jugendlichen
Die Kinder von heute sind die Studierenden von morgen…
„Nach einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums (BMELV) unter Schülern, die bereits im Sommer 2010 vorgestellt worden war, kennen mehr als die Hälfte aller Jugendlichen ihre Rechte als Käufer nicht. 48 Prozent wissen nicht, wozu man ein Girokonto benötigt und mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen hatten eklatante Wissenslücken im Bereich Internet und Telekommunikation. So kennen 66 Prozent nicht ihre günstigste Handy-Taktung, obwohl alle befragten Schüler ein Handy besitzen. 31 Prozent würden beim Online-Einkauf jederzeit bedenkenlos auch ihre private Telefonnummer angeben. Die Teilnehmerzahl aus dem universitären Bereich an Veranstaltungen der Jugendoffiziere konnte um etwa 30 Prozent erhöht werden.“
"… immer mehr Wirtschaftsunternehmen (drängen) mit eigenen Unterrichtsmaterialien in die Schulen. Diese sind von sehr unterschiedlicher Qualität und häufig interessengeleitet.“
Um diesem etwas entgegenzustellen wurde nunmehr der „Materialkompass Verbraucherbildung“ online gestellt. Siehe unter: http://www.verbraucherbildung.de/materialkompass.html Weitere Informationen auch unter: „vzbv.doc“
9. 1. Oktober 2011: Die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte beginnt
In der LabourNet Nachrichtensammlung, Band 102, Eintrag 2 vom 05.10.11 finden sich die nachfolgend wiedergegebenen Hinweise:
a) Risiko Gesundheitskarte: Die neue Versichertenkarte birgt Gefahren
Die gesetzlichen Krankenkassen beginnen jetzt mit der Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte. Sie gilt vom 1. Oktober 2011 an als Versicherungsnachweis. Was Versicherte wissen sollten.
Artikel von Matthias Thieme in der Frankfurter Rundschau vom 29.09.2011:
http://www.fr-online.de/politik/risiko-gesundheitskarte-die-neue-versichertenkarte-birgtgefahren,
1472596,10913012.html
b) »Das Wunderwerk ist in sich zusammengefallen«
Ab 1. Oktober wird die elektronische Gesundheitskarte ausgegeben – sie funktioniert aber nicht. Ein Interview von Gitta Düperthal mit Matthias Jochheim, Vorsitzender der deutschen Sektion der IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung,
in der jungen Welt vom 30.09.2011
http://www.jungewelt.de/2011/09-30/041.php
c) Was Sie tun können, wenn Ihre Kasse ein Foto für die "Gesundheitskarte" verlangt
„Wenn Sie von Ihrer Krankenkasse aufgefordert werden, ein Foto für die "Gesundheitskarte" einzusenden, sollten Sie diese Aufforderung gründlich prüfen. Möglicherweise haben Sie Fragen an Ihre Krankenkasse? Dann können Sie die Musteranfrage der Aktion "Stoppt die e- Card!" hier herunterladen..
Möglicherweise wollen Sie aber unmittelbar einen begründeten Widerspruch gegen die Anforderung eines Fotos einlegen. Dann können Sie einen Musterwiderspruch herunter- laden…“
Alle Infos auf der Seite von „Aktion: Stoppt die e-Card!“
http://www.stoppt-die-e-card.de/index.php?/archives/135-
10. Juristisches
a1) Scheitern beim Diplomstudium schließt Weiterstudium im Bachelor nicht aus
a2) Abbruch des Bewerbungsverfahrens aus sachlichen Gründen
a3) BAföG bei Studienfachwechsel
a4) Unfallversicherungsschutz der Hochschule
Dokument: „dhv-10-11.docx“
11. Termine
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Vortrag und Diskussion
Unternehmen Universität: Bertelsmann macht Hochschule TERMIN: 25.10.2011
ORT: MÜNCHEN
DOKUMENTE: „bertels-uni-hb.pdf“ sowie
Betriebs- und Personalräteschulung
“Bachelor und Master: Welche Qualifikation haben die neuen Fachkräfte? – Handlungshilfen zur Eingruppierungin Betrieb und Verwaltung.“
TERMIN: 03./04.11.2011
ORT: BERLIN
DOKUMENT: „flyer-br-schulung-2011.pdf“
Bildungsstreik-Demonstration
Gemeinsam auf die Straße – Für bessere Bildung!
TERMIN: 17.11.2011
ORT: KÖLN
DOKUMENTE: „termin-111711.pdf“
